Wie beten?

In der Regel fangen wir erst dann an zu beten, wenn wir in ernste Schwierigkeiten geraten, wenn die Welt um uns herum zusammenbricht, wir schwer krank werden, wir den Job verlieren und wir keine andere Hoffnung mehr sehen, als Gott um Hilfe zu bitten.

Wir bitten also Gott in einer aus unserer Sicht ausweglosen Situation um Hilfe, aber glauben nicht wirklich daran, dass Gott uns helfen wird. Wir bitten und betteln, aber in Wahrheit gehen wir davon aus, dass er uns weder wirklich helfen kann, noch es möchte.

Es gibt jedoch einen Weg, dieses Beten ohne rechten Glauben daran, dass Gott unser Gebet erhören wird, zu überwinden. Anstelle immer und immer wieder unser Problem in den Mittelpunkt unseres Gebets und damit unseres ganzen Seins zu stellen und eine Jammertirade voller Vorwürfe auf Gott abzufeuern, sollten wir einmal etwas versuchen, was den Meisten als Unmöglichkeit erscheinen wird, etwas, das man unter keinen Umständen machen kann.

Und zwar sollten wir einmal Gott auf Knien für unser Problem danken, Ihn für unser Problem loben und preisen, also wirklich ganz konkret sagen: „Danke lieber Gott, dass du dieses oder jenes Problem in meinem Leben oder im Leben desjenigen für den wir beten zugelassen hast: „Ich danke Dir dafür, ich lobe und preise Dich für mein Problem!“.

Dann erst bitten wir Gott wirklich um Hilfe um dann im nächsten Schritt gleich noch etwas viel Verrückteres zu tun, nämlich Gott dafür zu danken, dass er uns schon jetzt in dieser schwierigen Situation erhört hat, dass er unser Problem gelöst hat, uns von einer schweren Krankheit oder von der Bürde der Arbeitslosigkeit befreit hat, auch wenn die äußeren Umstände überhaupt noch nicht danach aussehen.

Wir sagen also im ersten Schritt: Danke lieber Gott, dass Du diese Schwierigkeit, diese Krankheit, diese Sorge in meinem Leben zugelassen hast. Wenn wir dieses Dankgebet von ganzen Herzen tun, werden wir eine überraschende Veränderung in unserem Leben bemerken.

In dem Augenblick, in dem wir anfangen Gott zu lobpreisen und Gott zu danken, öffnen wir nämlich unser Leben für die Anwesenheit Gottes. Indem wir Gott für alles danken, für die guten, wie die schlechten Erfahrungen, öffnen wir uns für Gott, so dass er in unserem Leben wirken kann.

Für den Christen gibt es keine Unterteilung in gute und schlechte Ereignisse. Alles, was mit der Allmächtigkeit und Güte Gottes umhüllt ist, wird mit unserem Gebet zu einem einzigen, mächtigen Sieg Gottes.

Das führt dazu, dass unser Leben zu einem einzigen großen Lobpreis und Dank für alles wird, was Gott in unserem Leben zulässt. Maria ist dabei das größte Vorbild und Beispiel im Lobpreisen und Danksagen.

Dies kommt besonders im Magnifikat (Lukas 1,46–55) zum Ausdruck.  Betrachten wir dieses Gebet unter dem Aspekt, wie Maria Gott lobt und preist, wofür sie ihm ihren Lobpreis darbringt und auf welche Art sie das tut.

Magnifikat

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Meine Seele preist die Größe des Herrn,

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.

Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.

Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.

Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,

das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Magnificat anima mea Dominum,

et exsultavit spiritus meus in Deo salutari meo.

Quia respexit humilitatem ancillae suae. Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes.

Quia fecit mihi magna, qui potens est, et sanctum nomen eius.

Et misericordia eius a progenie in progenies timentibus eum.

Fecit potentiam in brachio suo, dispersit superbos mente cordis sui.

Deposuit potentes de sede et exaltavit humiles.

Esurientes implevit bonis et divites dimisit inanes.

Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordiae suae.

Sicut locutus est ad patres nostros, Abraham et semini eius in saecula.

 

Palästina war zu dieser Zeit ein durch das Römische Reich besetztes Land. Fremde Mächte bereicherten sich auf Kosten des Volkes. Doch anstelle zu jammern und bei Gott um Hilfe zu betteln, nimmt Maria den großen Sieg Gottes über die damaligen Eliten, die Reichen, die Mächtigen und die Hochmütigen in ihrem Gebet schon vorweg und gibt Gott so die Möglichkeit, in ihr Leben zu treten und große Wunder zu wirken.

Wenn ich nämlich anfange Gott für die Schwierigkeiten, die ich im Leben durchlebe zu danken oder ich ihn preise und lobe für die Schwierigkeiten die ein anderer durchlebt, der mir am Herzen liegt, so tritt in diese schmerzhafte Situation Gott ein. Wir erfahren durch unseren Lobpreis Gottes Macht, Gottes Freude und Gottes Barmherzigkeit genau an der Stelle, die am meisten wehtut.

Wir sollen Gott so loben und preisen, als hätten wir das, worum wir Gott gebeten haben, schon erhalten. So lehrt es die Heilige Schrift. Der heilige Apostel Paulus sagt, bringt Bitt- und Dankgebete vor Gott. Ich bitte also und danke gleichzeitig. Paulus schreibt:

Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.

(1 Thessaloniker 5:16-18)

Weiter schreibt Paulus:

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.

(Philipper 4:6-7)

Ich bitte also Gott um etwas und gleichzeitig danke und lobe ich Gott dafür, dass mein Gebet schonerhört wurde. Maria kann dabei zu unserer Mittlerin werden. Wenn wir gemeinsam mit Maria und durch Maria beten, dann sind unsere zum Gebet gefalteten Hände nicht mehr nur unsere Hände, sondern werden zu Marias gefalteten Händen.

Auch wenn es uns schwerfällt sollten wir genauso beten:

Ich danke Dir, lieber Gott für alle Schwierigkeiten und schwierigen Situationen, die ich durchlebt habe. Ich danke dir für deine Hilfe, ich danke Dir für Deine Macht und Deine Herrlichkeit. Ich danke Dir für deine Liebe und Barmherzigkeit.

Ehre sei Dir, ich danke dir, dass alle meine Probleme gelöst worden sind. Vater ich preise Dich dafür, dass alle meine Schwierigkeiten durch Dich überwunden worden sind. Ehre sei Dir Vater, dass Du mich von allem Bösen befreit hast, Ehre sei Dir Vater, sei gelobt und sei gepriesen. Danke lieber Herr Jesus Christus, danke!

Was aber bewirkt diese Art von Gebet?

Die Freisetzung wahren Glaubens. Wenn du nur bittest und bittest und bittest, so glaubst du in Wirklichkeit nicht, dass Gott dich erhört und Dir geben wird, worum du ihn bittest. Sehr häufig geschieht es, dass wir durch unser beständiges Bitten und Flehen unseren Unglauben stärken. Wenn wir jedoch wirklich gläubig beten, dann bitten wir den Vater erst um eine Lösung unserer Schwierigkeiten und dann danken wir den Vater dafür, dass die Situation, um die wir gebeten haben, schon eingetreten ist.

Wir sollten uns also so verhalten, als ob wir bereits erhalten haben. Unsere Gedanken, unsere Gefühle, unser ganzes Sein sollte also beim Beten von Anfang an so sein, als ob unser Gebet bereits erhört wurde. In unserem Leben oder in dem Leben desjenigen, für den wir bitten ist die Gebetserhörung vielleicht noch nicht sichtbar geworden, aber in der unsichtbaren Welt Gottes öffnen wir uns durch unseren Dank und unseren Lobpreis bereits für die Hilfe und die heilende Kraft des Heiligen Geistes. So manifestiert sich durch den göttlichen Willen, durch unseren Glauben, unser Vertrauen und dadurch dass wir Gott verherrlichen, ein Tor für die Anwesenheit Gottes auf der Erde. Durch unseren Dank und unseren Lobpreis lassen wir Gott, den Himmel und die unendliche Freude Gottes in unser Herz und in unser Leben hinein.

Wenn wir also trotz allen Widerstands uns vor Gott stellen und ihm für die Schwierigkeiten und Probleme danken, die er in unserem Leben zulässt, dann verändert sich innerhalb kurzer Zeit die Atmosphäre in unseren Herzen. Frieden und Zuversicht erfüllen mit einem Mal unser Leben. Wir können uns fallen lassen, von unseren Problemen und Schwierigkeiten ablassen und Gott das Steuerrad in unserem Leben übergeben. Wir setzen Gott keine Frist mehr, dass dieses oder jenes jetzt und sofort geschehen muss. Er kennt Ort und Zeit wann er diese Gnade vom Himmel auf die Erde herabsenden wird. Weil ich aber weiß, dass diese Gnade durch meinen Lobpreis, durch meinen Dank frei geworden ist, der so war, als hätte ich bereits erhalten, um was ich bat, kann ich alle Schwierigkeiten in meinem Leben Jesus übergeben und Ihn alleine wirken lassen. Maria ist die Meisterin solchen Gebetes und sie wird uns dieses Gebet am besten lehren.

Quellen:

Literatur:

Merlin C. Carothers: Power in Praise, Escondido (USA), 1972.

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