Natürlich haben Radikal-Libertäre in gewisser Weise recht, wenn sie den Staat als Raubritter bezeichnen, der unter Androhung von Gewalt (Erzwingungshaft) von den Menschen in seinem Machtbereich Schutzgelder (Steuern, Abgaben, Rundfunkbeitrag) erpresst und als Gegenleistung Schutz verspricht.
Besonders eklatant sichtbar wird die „Ungeheuerlichkeit“ eines solchen Systems jedoch, wenn ein Staat wie die Bundesrepublik bei einer Staatsquote von 50 Prozent die versprochenen Gegenleistungen wie Grenzschutz, eine gerechte Rechtsprechung oder ein Bildungssystem, das bildet, anstelle zu ideologisieren, nicht erbringt und gleichzeitig die erarbeiteten Steuergelder in alle Welt verschenkt.
Dies führt dazu, den Staat als eigentlichen Gegner zu begreifen und von staatenlosen Gesellschaftsmodellen zu schwärmen. Ich halte das für genau so naiv wie den kommunistischen Traum einer besseren Gesellschaftsordnung, da solche Utopien an der Natur des Menschen vorbeiträumen. (Mein SciFi-Roman „Helden“ spielt übrigens in solch einer „staatenlos-libertären“ Privatstadt.)

Denn in jedem Machtvakuum, in jedem staatenlosen Gebiet wird es sofort wieder Cliquen und Clans geben, die mit Waffengewalt oder unter Ausnutzung der vorhandenen „staatsfreien“ Strukturen die Macht ergreifen, um erneut „Schutzgelder“ zu erheben. (Und das muss dann nicht zu besseren Zuständen führen als in der gegenwärtigen Bundesrepublik.)
Wer diesen dem Menschen angeborenen „Willen zur Macht“ ignoriert, handelt grob fahrlässig. Weswegen ich nach Abwägung aller Faktoren stets für das Modell eines schlanken, auf Kernaufgaben beschränkten, freiheitlich-durchsetzungsfähigen Staates plädiere, der die vorstaatliche christliche und naturrechtlich-ethnokulturelle Ordnung schützt.