Eine andere Sicht auf den spanischen Bürgerkrieg

Rezension Bruce Marshall: The Fair Bride / Du bist schön, meine Freundin

Glaubt man der Erzählung des spanischen Bürgerkriegs, wie sie uns in den Hollywoodfilmen Guillermo Del Toros oder bei Literaten wie Carlos Ruiz Zafón begegnet, dann gab es im spanischen Bürgerkrieg zwei moralisch klar voneinander geschiedene Lager. Die guten kommunistisch-republikanischen Kräfte und den bösen faschistischen Putschisten General Francisco Franco.

Dass die Geschichte nicht ganz so einfach verlief und die simplifizierte moralische Geschichtserzählung von heute vielfach nicht mehr ist als Geschichtsklitterung mit dem Ziel, die komplexen Zusammenhänge, die zu Francos Machtantritt führten, zu vertuschen, zeigt der Roman „The Fair Bride“ (dt.: Du bist schön, meine Freundin) des in den 1950ern sehr populären, heute jedoch nicht mehr verlegten schottischen Autors Bruce Marshall.

Ein junger Priester beschließt, die Kirche zu verlassen, weil er im Kommunismus die wahre Heilslehre erblickt. Diese Entscheidung fällt mit dem Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs zusammen. Doch seine romantischen Vorstellungen von den besseren Lebensumständen im Kommunismus brechen schnell in sich zusammen. Während seiner zuerst von idealisitischen Motiven geprägten Arbeit für die politische Polizei, erlebt er, wie andere Priester zusammengeschlagen, gefoltert und ermordet werden.

Der Priester erlebt, dass selbst Geistliche, die er einst wegen ihres behäbigen Lebensweise verachtete, unter schrecklicher Folter zu Heldentum fähig sind und als Märtyrer sterben. Dieses Erlebnis echter Heiligkeit veranlasst ihn, sich in einem Zustand großer Angst und persönlicher Verwirrung wieder der Kirche anzuschließen.

Auch Gottesdienste sind während der republikanischen Herrschaft verboten. Als der junge Priester für einen anderen, hingerichteten Priester einspringt und heimlich, im Untergrund die heilige Messe hält, wird er verhaftet.

Ein Offizier der politischen Polizei erklärt ihm dies radikale Vorgehen gegen die Kirche:

„Eine Kirche in den Katakomben ist viel gefährlicher als eine Kirche in den Kathedralen.“

„A church in the catacombs is much more dangerous than a church in the cathedrals.” (S. 70)

Bruce Marshall deckt damit eine heute weitestgehend geleugnete Ebene des spanischen Bürgerkriegs auf. Die spanischen Republikaner, die heute für ihren Kampf gegen Francisco Franco gefeiert werden, führten bei ihrer vorangehenden Machtergreifung ein brutales, stalinistisches Regime ein.

Die Republikaner verfolgten jedoch nicht nur Christen mit aller Brutalität, erschlugen Priester auf offener Straße und untersagten das Feiern der heiligen Messe. Sie ermordeten wahllos Angehörige der Mittelschicht und folterten Angehörige aus wohlhabenden Familien, um Lösegelder zu erpressen. Der Machtantritt Francos, mit all seinen Folgen, wurde daher von vielen Spaniern als Befreiung vom stalinistischen Terror der Republikaner empfunden und spaltet die spanische Gesellschaft bis heute.

Bruce Marshalls Romane sind antiquarisch oder gebraucht online gegen ein geringes Entgelt erhältlich.

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