Bedingungsloses Grundeinkommen: Der neue Konsum-Kommunismus? + Video

Die bundesdeutsche Verharmlosung des Kommunismus

Die massenmedialen Warnrufe: „Nie wieder Faschismus“ und „Kampf gegen rechts“ dröhnen uns derzeit in den Ohren. Doch besteht tatsächlich die Gefahr einer Wiederkehr des Nationalsozialismus? Gibt es tatsächlich erfolgreiche Parteien, die sich ernsthaft mit der NSDAP, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vergleichen lassen?

Ich denke, es genügt, sich einmal einen Aufmarsch der SA aus den 1930ern anzuschauen, um zu verstehen, dass derzeit keinerlei Strukturen existieren, die in vergleichbarer Weise das „Proletariat“ mobilisieren, wie es damals den Nazis gelungen ist. Es gibt zumindest im rechten politischen Spektrum keine Partei, die durch ernstzunehmende paramilitärische Verbände politische Macht ausüben könnte.

Sehr viel bedenklicher ist, wie zielgerichtet seit Jahren Positionen des Kommunismus wieder salonfähig gemacht werden. Nicht umsonst sprach Juso-Chef Kevin Kühnert in einem Interview mit der „Zeit“ davon, dass er Unternehmen kollektivieren möchte. Am Beispiel des Automobilherstellers BMW führte er aus: „Mir ist weniger wichtig, ob am Ende auf dem Klingelschild von BMW „staatlicher Automobilbetrieb“ steht oder „genossenschaftlicher Automobilbetrieb“ oder ob das Kollektiv entscheidet, dass es BMW in dieser Form nicht mehr braucht.“ Entscheidend sei, dass die Verteilung der Profite demokratisch kontrolliert werde.

 

Dass es im real existierenden Kommunismus keine Gewinne zu verteilen gab, ist dabei für jemanden wie Kühnert, der es durchaus besser weiß, nebensächlich. Entscheidend ist die Verniedlichung des Kommunismus allgemein. Während deutsche Schulkinder in einer Art Dauerschleife über die Verbrechen der Nationalsozialisten „aufgeklärt“ werden, wird gleichzeitig wohlwollend akzeptiert, dass die gleichen Kinder mit Hammer und Sichel auf dem Kapuzenpullover den Unterricht besuchen. Niemand klärt diese Kinder darüber auf, dass der Kommunismus deutlich mehr Todesopfer forderte, als der Nationalsozialismus. Niemand sagt diesen Kindern, dass in Hinblick auf die Opfer ein T-Shirt mit Hammer und Sichel es einem Hemd mit Hakenkreuz oder SS-Runen sicherlich gleich tut.

Doch nicht nur die Diskussion über die Verstaatlichung von Gewerbebetrieben wird in Deutschland derzeit wieder zunehmend geführt:

Juso-Chef Kühnert verkündete auch, den Besitz von Immobilien in Deutschland bis auf Ausnahmefälle zu verbieten: „Ich finde nicht, dass es ein legitimes Geschäftsmodell ist, mit dem Wohnraum anderer Menschen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten“, hatte er gesagt. „Konsequent zu Ende gedacht, sollte jeder maximal den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt.“

Dass Leute wie Kühnert durch das Propagieren der bedingungslosen Massenzuwanderung nach Deutschland den aktuellen Wohnungsmangel erst verursacht haben, wird dabei verschwiegen. Vielmehr versprechen Agitatoren wir er, den Menschen die schöne, neue Welt, in der jeder, ob er etwas leistet oder nicht, ein bedingungsloses Grundeinkommen erhält und kostenlos wohnen darf, um dann in einem grenzenlosen Weltstaat die immerwährende „bunte und vielfältige“ Glückseligkeit zu erlangen.

Das Versprechen eines Paradieses auf Erden

Doch gerade in Bezug auf das bedingungslose Grundeinkommen zeigt sich, wie das Versprechen einer sorgenfreien, besseren Welt mit der menschlichen Wirklichkeit kollidiert. Um zu verstehen, was das heißt, müssen wir etwas in die Tiefe gehen.

Das Versprechen eines Paradieses auf Erden, in dem alle Menschen faul auf dem Sofa liegen, Fertigpizza essen, Fernsehen schauen und von der Verstaatlichung des BMW-Konzerns leben können, ist eine Illusion. Ein wesentlicher Grund dafür, dass solche Visionen nicht funktionieren, liegt vor allem im Menschen selbst begründet.

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Die meiste Zeit seiner Existenz lebte der Mensch als Jäger und Sammler in kleinen Stämmen zusammen. Vorrangig bestand sein Lebensinhalt darin, aus eigener Kraft Nahrung für sich, seine Familie und den eigenen Stamm zu sammeln und zu erjagen.

Dies war seine Freiheit und begründete seine Würde als Mensch: Der erfolgreiche Jäger wurde gefeiert und bewundert. Die erfolgreiche Sammlerin geehrt. Der Einzelne lebte eigenverantwortlich für sich und für andere. Gemeinsam war die Gruppe stark. Man half sich gegenseitig und kämpfte solidarisch für das Überleben des Stammes.

Dieser Zustand war mehr als nur „Steinzeit“. Wir finden hierin eine anthropologische Konstante: Der Mensch ist von seinen Anlagen her für ein Leben in kleinen Stammesverbänden, die um ihr Überleben kämpfen, geschaffen. Auch wenn es der Zivilisationsmensch nicht mehr wahrhaben will.  Der Mensch braucht die Herausforderung, den Kampf darum, sich selbst und andere aus eigener Kraft versorgen zu können und gegen äußere Feinde zu kämpfen. Moderne Dystopien, wie die Hollywoodproduktion „Maze Runner“ erzählen von nichts anderem. Es ist die immer gleiche Geschichte einer kleinen Gruppe, die sich in einer feindlich gesinnten Welt bewähren muss.

Je nach Lebensraum kann ein solches Leben anspruchsvoll oder einfach sein. Vielleicht war das Leben für die Ureinwohner der Südseeinseln einfacher, als der Überlebenskampf der Nordeuropäer. Der Mensch war aber immer autark. Ein Jäger kann überall in der Wildnis Tiere aufspüren und erlegen, eine Sammlerin kennt essbare Wurzeln, Früchte und Pflanzenteile und weiß, wo diese zu finden sind. Dies ist ihr Stolz und ihre Würde, denn in all dem war der Mensch für sich selbst verantwortlich, er war Herr seiner selbst und nicht vom Wohlwollen staatlicher Institutionen und Sachbearbeiter abhängig.

Im Gegenzug zum apathischen Leistungsempfänger der Postmoderne, kannte der frühe Mensch Niederlagen und immer neue Erfolgserlebnisse, wenn dann doch einmal das dicke Wildschwein erlegt wurde und alle sich satt essen konnten. Das waren die großen Feste. Es gab Zeiten des Feierns und Zeiten des Hungerns. Beides geht dem Leistungsempfänger heute verloren. Denn er sieht für sich keine Möglichkeit mehr, aus eigener Kraft seinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Sein Leben verläuft in einer gleichförmigen Bahn.

Diese Gleichförmigkeit hat für die seelische Gesundheit des Menschen katastrophale Folgen. Denn der apathische Empfänger ist nur noch Konsument. Die Befähigung für sein Überleben zu kämpfen, Härten und Niederlagen durchzustehen, wird ihm aberzogen. Er schlafft ab und wird ein hypermoralisches Opfer gelenkter Prozesse, deren Hintergründe er nicht einmal ansatzweise überschauen kann. Seine Existenz reduziert sich auf den Konsum billig produzierter Massenwaren und mit der Zeit verliert er die Befähigung, aus eigener Kraft das Geld für sich und seine Familie zu erwirtschaften.

Hieraus entsteht ein Teufelskreis. Eine bedingungsloses Grundeinkommen wird eine immer größere Zahl an Menschen in die Abhängigkeit führen. Um das zu finanzieren, steigen Steuern und Abgaben. In Folge reicht das Einkommen vieler Menschen nicht mehr aus, um selbständig den Lebensunterhalt zu bestreiten, so dass Sozialleistungen und staatliche Grundsicherung für immer mehr Menschen einen wesentlichen Bestandteil des Einkommens bilden werden. Doch hierdurch gewinnt der Teufelskreis weiter an Fahrt:

Beziehen immer mehr Menschen Gelder aus Umverteilungsmaßnahmen, steigen gleichzeitig erneut die Sozialabgaben, Steuern und Lebenshaltungskosten, denn alles muss irgendwie finanziert werden, was wiederum eine immer noch größere Anzahl an Leistungsempfängern zur Folge hat, da immer weniger Einkommen ausreichen, um den eigenen Lebensunterhalt zu sichern. Somit produziert der Sozialstaat und die daran angegliederte Sozialindustrie eine immer größere Anzahl an Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, für sich und ihre Angehörigen zu sorgen.

Dies erzeugt wiederum die bereits beschriebene psychische Sogwirkung. Wer über Jahre hinweg in Abhängigkeit lebt und sich durch den Staat aushalten lässt, dem gelingt es immer weniger, sich den Härten des Überlebens zu stellen und sich aus der staatlichen Abhängigkeit zu befreien. Fähigkeiten, die nicht trainiert werden, gehen den Menschen verloren. So erwächst ein immer größer werdendes Klientel an Menschen, die ihr Leben lang und sogar über Generationen hinweg von staatlichen Leistungen leben. Keiner dieser Menschen wird mehr in der Lage sein, für sich und seine Angehörigen zu sorgen.

Das bedingungslose Grundeinkommen wird daher zu einer Degenerierung der Menschen führen. Die zum Überleben erforderliche Fähigkeit zur Selbstdisziplinierung wird immer weiter in Vergessenheit geraten und die Menschen ihre Passivität und Opferhaltung zunehmend als Normalität erleben.

Diese Problematik wird sich durch Migration noch verstärken. Staaten, die ein Grundeinkommen bedingungslos an alle verteilen, werden eine enorme Anziehungskraft gerade auf solche Personengruppen ausüben, die tendenziell eher kein eigenes Einkommen erwirtschaften, sondern ausschließlich von Transferleistungen leben möchten. Dadurch wird dann als Folge erneut die Abgaben- und Steuerlast (für arbeitende und produktive Bevölkerungsgruppen) in die Höhe getrieben, so dass immer weitere Kreise ergänzend zu ihrem erarbeiteten Einkommen, von den staatlichen Zahlungen abhängig sein werden.

Darüber hinaus zerstört das bedingungslose Grundeinkommen das Mitgefühl. Damit meine ich unsere natürliche Anlage, anderen Menschen helfen zu wollen. Dies zeigt sich schon jetzt in Staaten mit einem allumfassenden Sozialstaat. Während in Ländern wie den USA gerne überall geholfen wird, ist für Hilfe in Deutschland der Sozialstaat zuständig: „Bezieh doch Hartz IV!“ hörte ich einmal einen Mann zu einem bettelnden Obdachlosen sagen. Wie wird dies erst dann werden, wenn das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt wurd? Wird dann noch irgendwo eine Bereitschaft vorhanden sein, anderen zu helfen? Oder wird sich vielmehr die in Deutschland eigentümliche soziale Kälte noch weiter ausbreiten, da man für die Not der anderen nun wirklich nicht mehr zuständig ist? „Bezieh doch das bedingungslose Grundeinkommen“ wird es dann heißen, wenn man einem Obdachlosen begegnet.

Dabei könnte es durchaus Absicht sein, eine solche, (politisch) passive und sozial apathische Bevölkerung zu schaffen, die sich in staatlicher Abhängigkeit befindet und gerade noch über so viel Geld verfügt, dass sie die Waren global agierender Megakonzerne konsumieren kann.

Doch wie geht das zusammen? Bilden etwa multinationale Großkonzerne und der neu propagierte Kommunismus eine gemeinsame treibende Kraft?

Kulturmarxismus, global agierende Konzerne und Kommunismus 2.0

In China gibt es dieses Zusammenspiel von kommunistischer Partei und globalen Großkonzernen schon längst und das erfolgreich. Kommunismus und Kapitalismus sind also keinesfalls unaufhebbare Gegensätze. Sondern ein Ansatz zur Erklärung der derzeitigen Umbrüche ist, dass nach dem Vorbild Chinas in Westeuropa eine Art neuer Kommunismus schrittweise umgesetzt wird, in dem einesteils Großkonzerne das Sagen haben, andererseits aber die Bürger klassisch kommunistisch bis auf Ihre Konsumentscheidung entmündigt sind und in staatlicher Abhängigkeit gehalten werden. Denkbar wäre in einem EU-Zentralstaat auch ein Punktesystem, wie es in China bereits existiert.

Das hieße zum Beispiel: Wer „Ja“ zu den politischen Eliten sagt, dem wird das „bedingungslose“ Grundeinkommen ausgezahlt, wer aber Kritik übt, dem werden die monatlichen Geldzahlungen gekürzt und schlimmstenfalls gestrichen. Das bedingungslose Grundeinkommen wäre somit ein hervorragendes Instrument, um die Menschen politisch zu lenken und in Abhängigkeit zu halten. China führt darüber hinaus vor, dass ein solches Modell sehr viel besser funktioniert, als die Mangelwirtschaft seinerzeit im real existierenden Sozialismus der Warschauer Vertragsstaaten. Dass die Berliner Mauer fiel, hatte wesentlich seinen Grund auch darin, dass den Osteuropäern der Zutritt zu den westlichen Konsumgütern verweigert wurde. Die Osteuropäer wollten konsumieren, wie im Westen. Deswegen ging der klassische Kommunismus zugrunde. Nun zeichnet sich aber eine neue kommunistische Alternative ab, die beides miteinander vereint. Kommunismus plus bedingungsloser Konsum ist eine durchaus populäre Variante und China könnte dabei Vorbild sein.

Der neue Konsum-Kommunismus lässt grüßen.

Herzlich

Benjamin Kaiser

Exkurs: Wird das bedingungslose Grundeinkommen den Menschen ermächtigen, große kulturelle Leistungen zu erbringen?

Auch das Argument, das bedingungslose Grundeinkommen würde den Menschen zum Beispiel die Chance geben, kulturschaffend zu werden und sich somit höheren Herausforderungen zu stellen, ist unbedarft. Sicher waren die Vermögen, die Thomas Mann oder Arthur Schopenhauer erbten, hilfreich dabei, dass diese sich intensiver ihrer schöpferischen Tätigkeit zuwenden konnten. Die wesentlichen Unterschiede zum bedingungslosen Grundeinkommen werden dabei jedoch übersehen.

Thomas Mann und Arthur Schopenhauer waren Eigentümer ihres ererbten Vermögens. Über dieses konnten sie nach eigenem Gutdünken verfügen. Der moderne Leistungsempfänger ist hingegen abhängig von einer bürokratischen Maschinerie, auf die er so gut wie keinen Einfluss ausüben kann. Dies führt ihn zwangsläufig in die Apathie. Entsprechend ist bis heute kein einziger Fall bekannt, dass ein staatlicher Sozialleistungsempfänger kulturell etwas vollbracht hat, die sich annähernd mit den schöpferischen Werken eines Thomas Mann oder Arthur Schopenhauers messen könnte.

Das bedingungslose Grundeinkommen hat entsprechend auch nichts mit dem Mäzenatentum vergangener Zeiten zu tun. Wenn Fürsten in der Renaissance große Maler förderten, dann förderten Sie den Künstler und verlangten Gegenleistungen. Das bedingungslose Grundeinkommen ist hingegen bedingungslos. Es fördert ausschließlich die Passivität und lässt den Einzelnen zum Opfer undurchsichtiger Prozesse werden. Darüber hinaus sollte die simple Lebensweisheit gelten, dass wer es ohne bedingungsloses Grundeinkommen nicht schafft, es mit einem bedingungslosen Grundeinkommen auch nicht schaffen wird.

Denn wer wirklich nennenswerte kulturelle Leistungen hervorbringen möchte, braucht vor allem Selbstdisziplin. Wem es daher gelingt, sich selbst zu disziplinieren und zum Beispiel wie Thomas Mann jeden Morgen sehr früh aufsteht und kalt duscht, um dann zu schreiben, der braucht kein bedingungsloses Grundeinkommen, um zu schreiben. Denn dem gelingt es auch, neben einem Brotberuf zu schreiben und trotz beruflicher Verpflichtungen kulturell schöpferisch zu wirken. Wem hingegen diese Selbstdisziplin fehlt, der ruft nach Umverteilung und bedingungslosem Grundeinkommen. Gleichzeitig wird er jedoch niemals zur kulturellen Bereicherung der Gesellschaft beitragen, sondern wird am Ende immer nur konsumieren, da es ihm aufgrund der fehlenden Selbstdisziplin an der grundlegenden Eigenschaft mangelt, die nötig ist, um etwas im Leben zu erreichen.

Links und Literatur:

Stéphane Courtois u. a.: Das Schwarzbuch des Kommunismus: Unterdrückung, Verbrechen und Terror. München 1998.

Benjamin Kaiser: Kulturmarxismus. Mühlenbecker Land 2018.

Eigentümerstruktur Deutsche Wohnen:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/557792/umfrage/aktionaersstruktur-der-wohnungsgesellschaft-deutsche-wohnen/

Kevin Kühnert über den neuen Kommunismus:

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kevin-kuehnert-kritik-an-sozialismus-ueberlegungen-16166824.html

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