Vom Marxismus zur politischen Korrektheit (Thesen zum Kulturmarxismus I)

„Antidiskriminierung“ ist das oberste Gebot unserer Tage. Niemand darf ausgegrenzt werden. Entsprechend werden zum neuen Schuljahr 2019 in einigen Projektgrundschulen in Deutschland geschlechtergerechte Toiletten eingerichtet. Neben Toiletten für Jungen und Mädchen, gibt es dann auch stille Örtchen für Kinder, denen man eingeredet hat, das eigene Geschlecht wäre etwas, das man sich selbst aussuchen kann. Schließlich soll es laut Gendertheorie über 4000 verschiedene Geschlechter geben. Für geltungsbewusste Eltern ist das derzeit das neueste „Fancy Shmancy“ um sich vor anderen Eltern in den Vordergrund zu drängen: „Nein! Mia heißt jetzt Marcel! Achtet bitte darauf, er fühlt sich sonst diskriminiert!“ Und, wie gesagt, wir sprechen hier von Grundschulkindern ab fünf Jahren.

Aber auch in allen anderen Bereichen des täglichen Lebens zeigt das Antidiskriminierungs-Gebot inzwischen ernste Folgen. Kaufen und damit etwas Gutes tun? Ein großer Online-Händler spendet derzeit einen kleinen Teil seines Umsatzes an gemeinnützige Organisationen. Der Kunde darf selbst bestimmen, an welche Organisation der Anteil seines Einkaufs geht. Damit ist ab Februar 2019 Schluss. Bisher war hier eine breite Palette unterschiedlicher gemeinnütziger Organisationen vertreten. Nun ist nur noch ein kleiner Rest übrig geblieben. Was ist der Grund? Eine übergeordnete Institution wurde beauftragt, alle teilnehmenden Organisationen auf den Grundsatz der Antidiskriminierung hin zu durchleuchten. Ein entsprechender Diskriminierungsausschluss musste auf Nachfrage vorgelegt werden. Für Organisationen, die sich beispielsweise für Familien mit Kindern einsetzen, bedeutete das das Aus.

Die Frage ist, wie konnte es so weit kommen und lässt sich die derzeitige Ideologie der politischen Korrektheit und Antidiskriminierung tatsächlich historisch aus dem Marxismus ableiten? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns auf eine kleine Zeitreise begeben.

Mit der Industrialisierung erlebte die westliche Welt schwerwiegende soziale Umbrüche. Die Landbevölkerung strömte in die Städte, die zu großen Ballungszentren heranwuchsen. Traditionelle Bindungen, wie sie vormals in der landwirtschaftlich geprägten, kleinteilig siedelnden Gesellschaft existiert hatten, lösten sich auf. Vor dem Hintergrund der Verarmung dieser neuentstanandenen städtisch-entwurzelten Unterschicht, erlebte der Marxismus seinen ersten großen Aufschwung.

Als sowohl ökonomisches, als auch philosophisches System, richtete sich der Marxismus direkt an diese Unterschicht und versuchte ihr als sogenannte  „Arbeiterklasse“ zu einer eigenen Identität zu verhelfen. Dann wurde mithilfe der marxistischen Konfliktstrategie versucht, einen Konflikt um den Besitz der Produktionsmittel zu entfachen. Das meint die damals aufgeworfene Frage, wem rechtmäßig Fabriken, Kraftwerke und Werkstätten gehören. Der Marxismus forcierte hierbei einen Kampf zwischen der „besitzlosen Arbeiterklasse“ und der reichen „Bourgeoisie“ (Bürgertum). Man versprach der vom Land in die Städte geströmten Bevölkerung, dass mit der kommunistischen Übernahme der Betriebe, der Arbeiter genauso in Wohlstand und Reichtum leben könne, wie damals die Bourgeoisie.

Kulturtheoretische Fragen, wie sie heute den Kulturmarxismus prägen, spielten im klassischen Marxismus nur eine untergeordnete Rolle. Es galt die Basis-Überbau-Theorie, die salopp gesagt bedeutet: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Das heißt, wes Brot ich ess, des Lied ich singe. Sind die Fabriken im Besitz der Bourgeoisie, dann singt der Arbeiter das Lied derselben. Ist die Fabrik jedoch im Besitz des kommunistischen Staates, dann singt der Arbeiter kommunistische Lieder.

Man wollte damit sagen, dass allle kulturellen Regungen nach der marxistischen Theorie auf Basis ihrer ökonomischen Voraussetzungen geschehen. Begriffe wie Schönheit, Freiheit oder Gerechtigkeit waren für Marx und Engels Nebenerscheinungen des Wirtschaftssystems. Der Marxismus kennt entsprechend keine Gedankenfreiheit, keine objektive Wahrheitsfindung und keine Religiosität. Dies alles ist für Marx nur Ausdruck eines falschen Klassenbewusstseins. Das heißt, wer in einem Gesellschaftssystem die ökonomischen Voraussetzungen schafft, bestimmt, was die Menschen glauben und denken.

Um zu dem zu werden, was man heute als Kulturmarxismus bezeichnet wird, musste der Marxismus zahlreiche Transmutationen durchlaufen. Mit dem Scheitern verschiedener Versuche insbesondere in Deutschland eine kommunistische Räterepublik zu errichten, entstand in den 1920er Jahren mit der Frankfurter Schule eine überarbeite Form des Marxismus, die sich von der Ökonomie als maßgebliches Thema abwandte und anfing, einen kulturtheoretischen Ansatz zu verfolgen. Der Marxismus konzentrierte sich von nun an auf Kulturtheoretische Fragen und ihre Analyse. Es ging vordergründig nicht mehr um die Umverteilung der Produktionsmittel. Die Destruktion der herrschenden Kultur rückte in den Mittelpunkt des marxistischen Denkens. Was einst als Nebenprodukt der wirtschaftlichen Verhältnisse galt, wurde nun Hauptziel der Agitation.

Einer der wegweisenden Marxisten in diesem Übergang von der ökonomischer Kritik hin zur Kulturkritik war der Italiener Antonio Gramsci. Er erkannte, dass der Kapitalismus in Europa auf dem Einverständnis der Massen beruhte. Die Arbeiterklasse sah sich in den kulturellen Kontext der Bourgeoisie eingebunden, hegte patriotische Gefühle, hielt Ehe und Familie als Kern der Gesellschaft hoch und ging immer noch regelmäßig in die Kirche. So würde in Europa niemals eine Revolution nach bolschewistischen Vorbild stattfinden können.

Er erkannte also, dass die Verbreitung des Marxismus in Europa eine langwierige Aufgabe werden würde. Zum ersten Mal tauchte in diesem Zusammenhang der Begriff des „langen Marsches durch die Institutionen“ auf. Um erfolgreich zu sein, müsse der Kampf innerhalb von Institutionen wie Massenmedien, Kulturindustrie, Parteien und Kirchen  geführt werden und zwar durch Journalisten, Lehrer und Akademiker, der berühmten „fünften Kolonne“. Um den Kapitalismus in Europa zu Fall zu bringen, müssten Kultur, Tradition und alle anderen Quellen der geistigen Orientierung wie der christliche Glaube in Europa unterminiert und zerstört werden. Als besonders wichtig wurde die Macht über die Medien und die Kulturinstitutionen angesehen, da man durch diese Macht über die Meinungsbildung der Massen erringen könnte.

Fortsetzung folgt…

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